Mittwoch, 21. April 2010

Unser letzter Tag...

Vor nicht ganz einer Woche hatte ich an dieser Stelle noch geschrieben, dass ich nur ungern von Kyoto weg wollte, weil ich doch etwas Angst vor Tokyo hatte und mir die alte Kaiserstadt so unheimlich gut gefallen hatte. Nun sieht es etwas anders aus. Inzwischen eingewöhnt und mit vielem vertraut, wirkt Tokyo nicht mehr so erschreckend und abseits der Hauptstraßen und Hauptvergnügungsviertel Shinjuku, Shibuya, Ikebukuro und Harajuku wirkt die Stadt in vielen Nebenstraßen fast wie ein Dorf: Kleine verwinklelte Gassen, in denen kaum jemand unterwegs ist. Tja, und jetzt, wo wir uns hier auskennen und das Prinzip Megacity verstanden haben, müssen wir wieder weg. So wirklich will ich gar nicht nach Hause, auch wenn ich mich doch ziemlich auf die Heimat freue. Aber Japan, Tokyo, Kyoto und Miyajima haben etwas ganz Besonderes, dass man einfach lieben muss. Zumindest geht es mir so und ich kann jetzt an dieser Stelle behaupten, dass ich diese Orte auf jeden Fall wieder besuchen werde!

Heute Morgen haben wir etwas länger geschlafen und sind erst gegen neun aufgestanden, haben uns in Ruhe fertig gemacht und sind dann gemütlich frühstücken gegangen. Da das Wetter auf unserer Seite war und nicht nur die Sonne geschienen hatte, sondern es auch frühlingshaft warm war, sind wir zur Tokyo Station gefahren, um dort unsere Sitzplätze für die Fahrt nach Kyoto zu reservieren. Dann sind wir zum Kaiserpalast und Östlichen Kaiserlichen Palastgarten gegangen, um auf ersteren einen Blick zu werfen und zweiteren zu besichtigen. Leider war dieser geschlossen und wir konnten nur den riesigen Vorplatz, den nicht weniger gigantischen Graben und die Mauern ansehen. 
Anschließend gings dann weiter nach Harajuku. Musste dort ja etwas abholen. Und es war tatsächlich fertig! Juchhu! Ich werd die Jacke auch morgen auf dem Flug anziehen. Ich liebe sie jetzt schon, genauso wie das andere Oberteil. Als kleines I-Tüpfelchen hab ich mir dann noch eine Hello Kitty Sweatjacke gegönnt. Die andere ist mir zu Schade, um sie alle Tage zu tragen. 
Nachdem wir dann noch einen Kaffee, genauer gesagt einen Caramel au lait getrunken haben, sind wir ins Hotel zurückgefahren, um zu packen. Wirklich lange haben wir nicht gebraucht. Schließlich haben wir nach Kyoto hier nicht wirklich ausgepackt, weil wir keinen Platz dazu hatten. Wenn die Hotelwaage stimmt, sind wir auch beide wieder innerhalb der Freigepäckgrenze von 30 kg und sollten somit keine Probleme bekommen. Wir werden aber beim Auschecken die Koffer zur Sicherheit noch einmal wiegen, wenn wir wirklich sicher sind, dass alles drin ist, was reingehört. 
Danach fertig waren auch wir fertig und mussten uns erst einmal abduschen. Packen kann ganz schön anstrengend sein und wir wollten am Abend ja noch einmal nach Shinjuku Kabukicho. Zuvor gings aber erst noch in Ikebukuro zum Purikura machen. Jetzt kann ich auch wirklich behaupten, dass ich die Automaten verstehe, auch wenn ich das wenigste auf den Displays lesen kann, weil alles Japanisch ist. Das Fotografieren ist schon richtig lustig, aber das Nachbearbeiten und Verzieren macht noch mehr Spaß. Vor allem hat man eine riesige Auswahl an Elementen, die man dem Bild hinzufügen kann und einige Automaten können sogar Glitzer drucken *.* Schade, dass die Dinger in Deutschland nicht an jeder Ecke rumstehen. Nach zwei Runden gings dann weiter zum Essen. Zum Abschied waren wir wieder bei Ootoya. Eine richtig tolle Restaurantkette, die ruhig auch ein paar Filialen in Deutschland eröffnen darf.
Gut gesättigt und ein bisschen traurig, dass heute unsere süße kleine chinesische Kellnerin nicht da war, sind wir dann nach Shinjuku gefahren und hatten sogar soviel Platz im Zug, dass wir sitzen konnten. Und dieses Mal war nicht wieder Gackt allseits präsent, so wie bei zwei anderen Fahrten mit der Yamanote am heutigen Tag. Das änderte sich aber nach dem Aussteigen in Shinjuku. Als wir zum Ausgang Richtung Kabukicho gegangen sind, mussten wir unweigerlich an Wonda Kaffeewerbung vorbei; natürlich mit Gackt. Alca hats gefreut, ich war weniger begeistert. Beim Purikuramachen hatte Alca sogar einen Getränkeautomaten mit Wonda Produkten entdeckt und sich gleich den Wonda Premium Kaffee besorgt. Das ist der, für den Gackt Werbung macht. Das werd ich in Deutschland auf keinen Fall vermissen. Endlich wieder Bahn, Bus what ever fahren, ohne Angst zu haben, dass man in einen Zug mit Werbung mit Gackt steigt.
Tja, und dann waren wir in Kabukicho. Auf dem ersten Blick ist das ein typisches Vergnügungviertel. Schrill und bunt, aber anders als erwartet nicht wirklich laut, sondern sehr ruhig. Und und dann steht alle paar Meter ein Host herum, den man sich zur Unterhaltung mieten kann. Die sind zwar teilweise echt schnuckelig, aber irgendwie... Nee, das muss beim besten Willen nicht sein. Host Clubs mit großen Schautafeln der dort arbeitenden Jungs gibts auch an jeder Ecke und dann auch noch riesige dazugehörige Werbetafeln.... Vollkommene Reizüberflutung. Beim Durchschlendern, bei dem wir auch irgendwie immer schneller wurden, sind wir dann auch noch zum Love Hotel Hill gelangt. Dort steht wirklich Love Hotel an Love Hotel und die dazu passenden Hosts rennen dort auch überall rum. Zum Glück sind diese nicht so aufdringlich. Wir wurden nur einmal angesprochen und DVDs hat uns auch keiner in die Hand gedrückt.
Auf der Suche nach einer netten Bar sind wir dann wieder auf die andere Seite der Shinjuku Station gegangen, haben aber nicht wirklich etwas gefunden und so sind wir in eine uns bekannte Richtung gegangen; in die von Closet Child und Like an Edison. Wir sind aber weiter gegangen und haben keinen weiteren Shoppingabstecher gemacht. War aber auch schon kurz nach neun. Noch immer erfolglos sind wir der Hauptstraße gefolgt, aber so wirklich vielversprechend sah es dort auch nicht aus. Durch Zufall haben wir einen Stadtplan gefunden und festgestellt, dass wir näher an der Station Shin-Ootsuro als an Shinjuku waren. Nach kurzer Diskussion im Regen - ja, hier hat der Wetterbericht ziemlich oft recht und der für den Abend angekündigte Regen kam wirklich - haben wir uns entschlossen, zu der JR-Station zu gehen, nach Ikebukuro zu fahren und dort unser Glück zu versuchen. Und wie es der Zufall so will, haben wir genau da auf dem Weg eine recht nette Bar gefunden. Neben vier Japanern waren wir lange Zeit die einzigen Gäste. Die beiden fast noch minderjährigen kleinen Jungs, von denen zumindest einer richtig zum Knuddeln war, lassen wir mal außen vor. Die Getränke dort waren echt lecker und da alle bis auf uns Dart gespielt haben, haben wir auch was zum Sehen gehabt. Zudem lief gute Musik. 
Kurz nach elf haben wir uns dann aber doch zum Gehen entschlossen, da wir nicht wussten, wann der letzte Zug fährt und wir ja noch die Bahnstation finden mussten. Hat auch recht gut geklappt und dabei sind wir eben durch recht interessante Nebenstraßen gekommen, in die sich mit Sicherheit nur selten ein Gaijin bzw. Tourist verirrt. Es war dort richtig ruhig und wirkte bis auf die vielen Restaurants recht ländlich und verschlafen. Das hat sich allerdings ganz schnell geändert als wir die Hauptstraße erreichten. Dort war es zwar nicht so extrem wie in den übervölkerten Stadtvierteln, aber man hat schon deutlich mitbekommen, dass man in einer japanischen Großstadt ist.
Gegen halb zwölf haben wir dann den von Nachtschwärmern (tja, gegen Mitternacht ist in Japan schon richtig spät, weil dann keine Züge mehr fahren) überfüllten Zug nach Hause gefahren. Kurz nach dem Aussteigen haben wir dann einstimmig festgestellt, dass die Schnuckeldichte in Ikebukuro bis jetzt immer am höchsten war. Echt lohnenswert!
Nach dem obligatorischen Abstecher zum 7 Eleven, um was zu trinken zu holen und uns zu verabschieden, haben wir davor auf der Bank noch eine geraucht bzw. ich hab geraucht und Alca hat mir Gesellschaft geleistet. Kurz darauf kam ein süßer kleiner Japaner mit Hut zu uns, um sein Englisch zu testen. Das war sogar recht gut und vor allem sehr gut zu verstehen. Als wir erwähnten, dass wir aus Deutschland sind und morgen heimfliegen, kam dann auch gleich die Frage, ob das wirklich geht, weil doch... Ja, dieser blöde isländische Vulkan. Da hat man mal so ein tolles Argument, um den Urlaub zu verlängern, und dann versagt es einen Tag vor der Heimreise. Der hätte ruhig noch etwas länger Chaos in die europäische Luftfahrt bringen können. Auf Kosten von Emirates oder sonstwen wär ich gern noch etwas länger in Japan geblieben, aber seit heute ist ja der deutsche Luftraum wieder geöffnet. Wäre ja auch zu schön gewesen, wenn wir doch noch zum Despa-Konzert hätten gehen können.... Aber auch hier hat sich in den letzten Tagen der Vulkanausbruch zum Running Gag entwickelt und der Kleine von der Parkbank war nicht der erste, der uns darauf angesprochen hatte. Die Verkäuferin bei Richards (im Originalschriftzug wirds Richärds geschrieben), der Takuya die Situation am Samstag geschildert hat, hat sich heute gleich danach erkundigt....
Nach kurzem Small Talk hat sich das Jüngelchen dann von uns verabschiedet, weil seine Freunde wartend und nicht wirklich verstehend daneben standen und wir sind zurück zum Hotel, zu unserer letzten Nacht in Japan...

Das war also unser letzter Tag in Tokyo, in Japan. Ich werde hier einiges vermissen: 24-h-Supermärkte, sehr leckeres Essen, ein super funktionierendes Bahnnetz, nette Verkäufer, tolle Geschäfte, atemberaubende Sehenswürdigkeite, nette Menschen, Schnuckelgucken, eine Großstadt, die trotz der vielen Menschen und dem damit einhergehenden Chaos irgendwie ruhig und geordnet wirkt... Wirklich genau erfassen werde ich das wohl alles erst können, wenn ich wieder zu Hause in Deutschland bin und sich die ganzen Eindrücke etwas gesetzt haben. Eines ist allerdings gewiss: Wie am Anfang geschrieben wird das wird nicht mein letzter Besuch in Japan gewesen sein und ich werde nach Kyoto, Tokyo (auch wenns verdammt teuer ist, aber nicht wegen der Lebenskosten, sondern den tollen Gechäften) und Miyajima zurückkehren. Alle drei Orte haben ihren besonderen Charm und sind ein Stück dieses Landes.

Wer sich gewundert hat, dass dieser Post bildlos ist ... Wir haben heute nicht wirklich viel fotografiert und die entstandenden Bilder haben eher einen Erinnerungswert für uns, als dass sie irgendetwas wirklich Sehenswertes zeigen, so dass ich sie auch nicht online stellen werde. 
Ich hoffe, auf dieser Reise sind genug Bilder entstanden, die euch einen Eindruck von unseren Erlebnissen und vor allem von diesem Land vermitteln konnten, und ihr an unserem Abenteuer teilhaben konntet.

Auch wenn das jetzt vielleicht wie der letzte Post in diesem Blog von mir klingt, wird er das definitiv nicht sein. Es gibt noch viel zu berichten und noch mehr zu verarbeiten, so dass ich sicher noch einige Zeit etwas zu Schreiben haben werde. Und dann steht ja auch die nächste Reise an; geplant für Herbst 2011...
Elisabeth aka Mari

1 Kommentar:

  1. is es wirklich schon soweit? mensch dabei seit ihr doch erst vor kurzem dorthin? ich konnt mir noch gar nich alles durchlesen. vieleicht will ja eure arbeit das ihr dortbleibt und jedes dörfchen mal besucht? ;)
    also wettermäßig habt ihr nix hier verpasst :/
    aber die fotos sind TOLL!!!
    ein klitzekleines bisschen neidisch war ich schon....
    ...ich will auch mal in so nen garten.

    AntwortenLöschen